Schadstoffbelastungen erneut wissenschaftlich nachgewiesen
Neue internationale Studien: Schadstoffbelastungen in Feuerwehrfahrzeugen und Gerätehäusern wissenschaftlich nachgewiesen.
Aktuelle Forschungsergebnisse aus Südkorea und Kanada unterstreichen die Bedeutung der technischen Dekontamination von Feuerwehrfahrzeugen nach Brandeinsätzen. Das GAS Technologie Zentrum beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit diesen Gefährdungen und den erforderlichen Sanierungsverfahren.
Feuerwehrfahrzeuge als bislang unterschätzte Schadstoffquelle
Die Einsatzhygiene hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Der Schutz der Feuerwehrangehörigen während und unmittelbar nach der Brandbekämpfung wird zunehmend berücksichtigt.
Ein wesentlicher Gefährdungsbereich steht jedoch weiterhin nicht ausreichend im Mittelpunkt: die gesundheitsschädlichen Brandfolgeprodukte, die sich nach einem Einsatz in und an Feuerwehrfahrzeugen sowie auf mitgeführten Ausrüstungsgegenständen befinden.
Während Feuerwehrangehörige bei der Brandbekämpfung durch persönliche Schutzausrüstung und Atemschutz geschützt werden, erfolgt die anschließende Rückfahrt regelmäßig ohne Atemschutz. Die Fahrzeuge werden danach in Feuerwehrgerätehäusern abgestellt und weiterhin genutzt. Damit endet die berufliche Schadstoffexposition nicht zwangsläufig mit dem eigentlichen Brandeinsatz.
Neue und bereits veröffentlichte internationale Untersuchungen liefern hierzu wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse.
Wissenschaftliche Untersuchung 2026: Bis zu 69-fach höhere Schadstoffbelastungen auf Fahrzeugoberflächen
Eine 2026 in der internationalen Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung analysierte insgesamt 121 Wischproben aus drei Feuerwehrwachen in Südkorea.
Untersucht wurden Feuerwehrfahrzeuge, Fahrzeughallen, Büroräume und persönliche Schutzausrüstungen. Im Mittelpunkt standen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), eine Stoffgruppe, zu der auch krebserzeugende Verbindungen gehören.
Im Vergleich zu den untersuchten Büro-Kontrollflächen wurden folgende Unterschiede der mittleren Oberflächenbelastung im Sinne des statistischen Medians festgestellt:
- 69-fach höhere PAK-Belastung auf Oberflächen in Feuerwehrfahrzeugen
- 26-fach höhere PAK-Belastung in Fahrzeughallen
- 26-fach höhere PAK-Belastung in Aufbewahrungsschränken für Schutzausrüstung
- 24-fach höhere PAK-Belastung in Büroräumen der Feuerwehrwachen
Besonders auffällig waren die Schadstoffablagerungen auf Fahrzeugböden sowie an verschiedenen Bereichen der persönlichen Schutzausrüstung.
Die Untersuchung dokumentiert damit, dass sich brandbedingte Schadstoffbelastungen nicht auf die unmittelbare Einsatzstelle beschränken.
Die Wissenschaftler sprechen sich ausdrücklich für verbesserte Maßnahmen zur Kontaminationskontrolle aus, einschließlich einer regelmäßigen Dekontamination von Feuerwehrfahrzeugen und Schutzausrüstung.
Wichtig ist die Unterscheidung: Die genannten Messwerte beziehen sich auf Oberflächenproben und nicht auf gasförmige Schadstoffkonzentrationen in der Fahrzeugluft.
Kanadische Untersuchung: Schadstoffe auch in der Atemluft von Feuerwehrfahrzeugen
Bereits eine 2019 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung aus Ottawa, Kanada, ging einen entscheidenden Schritt weiter.
Die Forscher untersuchten neben der Schadstoffbelastung von Einsatzkräften und persönlicher Schutzausrüstung ausdrücklich die Luft in Feuerwehrfahrzeugen, Fahrzeughallen und Verwaltungsbereichen.
Dabei wurden in den Mannschaftskabinen erhöhte Konzentrationen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe und des Metalls Antimon nachgewiesen.
Die Konzentrationen dieser untersuchten Stoffgruppen lagen in den Fahrzeugkabinen signifikant über den entsprechenden Messwerten in Fahrzeughallen und Verwaltungsräumen.
Die Untersuchung bestätigt damit einen für den Gesundheitsschutz wesentlichen Zusammenhang: Feuerwehrangehörige sind auch nach der eigentlichen Brandbekämpfung innerhalb der Einsatzfahrzeuge einer zusätzlichen Schadstoffexposition ausgesetzt.
Die Autoren weisen insbesondere auf die Bedeutung der Übertragung von Schadstoffen durch persönliche Schutzausrüstung und Einsatzgeräte sowie auf die mögliche Freisetzung flüchtiger Verbindungen hin.
Einsatzhygiene ist nicht gleich Fahrzeugdekontamination
Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, zwei unterschiedliche Schutzbereiche voneinander zu trennen.
Die Einsatzhygiene dient insbesondere dazu, die Verschleppung gesundheitsschädlicher Brandfolgeprodukte durch Einsatzkräfte, Schutzkleidung und Gerätschaften zu reduzieren.
Die technische Fahrzeugdekontamination verfolgt ein weitergehendes Ziel: die Beseitigung der brandbedingten Schadstoffbelastung im gesamten Fahrzeug. Dabei steht nicht die optische Rußentfernung im Vordergrund.
Brandrauch enthält neben partikelförmigen Bestandteilen zahlreiche gasförmige, flüchtige und halbflüchtige Schadstoffe. Sichtbare Rußablagerungen sind deshalb kein verlässlicher Maßstab für die gesamte Schadstoffbelastung eines Feuerwehrfahrzeugs.
Ein rußfreies Feuerwehrfahrzeug ist nicht automatisch ein schadstofffreies Feuerwehrfahrzeug.
Warum Feuerwehrfahrzeuge innen und außen dekontaminiert werden müssen
Die Innendekontamination dient dem Schutz der Fahrzeugbesatzung vor fortdauernder inhalativer und dermaler Schadstoffaufnahme.
Die Außendekontamination einschließlich Motorraum, Unterboden, technischen Aufbauten und Gerätefächern dient der Beseitigung brandbedingter Schadstoffbelastungen und der Verhinderung ihrer weiteren Verschleppung. Auch die mitgeführte feuerwehrtechnische Ausrüstung und die Gerätschaften sind in die entsprechende Sanierungsbewertung einzubeziehen.
Damit betrifft der Gesundheitsschutz nicht ausschließlich die Fahrzeugbesatzung, sondern ebenso die Feuerwehrangehörigen und Beschäftigten, die sich später in den Fahrzeughallen, Werkstätten und angrenzenden Räumlichkeiten aufhalten.
Internationale Krebsforschung bestätigt die gesundheitliche Bedeutung
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, hat die berufliche Exposition von Feuerwehrangehörigen im Jahr 2022 als krebserzeugend für den Menschen in Gruppe 1 eingestuft.
Für Mesotheliome und Harnblasenkrebs wurde ausreichende wissenschaftliche Evidenz festgestellt.
Diese Einstufung verdeutlicht die Bedeutung eines umfassenden Präventionskonzeptes, das nicht mit dem Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung endet.
Die Vermeidung zusätzlicher und wiederholter Schadstoffexpositionen nach dem Brandeinsatz ist ein wesentlicher Bestandteil des langfristigen beruflichen Gesundheitsschutzes.
40 Jahre Forschung und Entwicklung am GAS Technologiezentrum
Das GAS Technologiezentrum beschäftigt sich seit über vier Jahrzehnten mit der Erforschung, Entwicklung und praktischen Anwendung spezialisierter Verfahren zur Dekontamination und chemischen Neutralisation brandgeschädigter Fahrzeuge. Das Institut war an wissenschaftlichen Untersuchungen zu gesundheitlichen Langzeitfolgen und zur erhöhten Sterblichkeit von Feuerwehrangehörigen beteiligt.
Die internationalen Forschungsergebnisse sind deshalb für das GAS Technologiezentrum von besonderer Bedeutung. Sie liefern zusätzliche, unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse über die fortdauernde Schadstoffbelastung von Feuerwehrfahrzeugen und die Verschleppung von Brandfolgeprodukten in Feuerwehrgerätehäuser.
Die vom Institut entwickelte Brandsanierung unterscheidet zwei eigenständige technische Verfahren:
Dekontamination: Beseitigung gesundheitsschädlicher Brandfolgeprodukte.
Zweiphasige Neutralisation: Chemische Neutralisation vorhandener saurer Rückstände und Unterbindung weiterer säurebedingter Folgereaktionen zum Schutz elektronischer, mechanischer und sicherheitsrelevanter Fahrzeugkomponenten.
Eine gewöhnliche Fahrzeugwäsche, eine oberflächliche Rußentfernung oder eine Behandlung mit alkalischen Mitteln ersetzt diese Verfahren nicht.
Der Sanierungserfolg wird durch eine Eingangs-, Zwischen- und Abschlussmessung überwacht und mit einem entsprechenden Schadstofffreiheitszertifikat dokumentiert.
Fazit: Gesundheitsschutz endet nicht am Brandherd
Die internationalen Studien unterstreichen eine entscheidende Erkenntnis: Gesundheitsschädliche Brandfolgeprodukte befinden sich nicht ausschließlich an der Einsatzstelle. Sie werden auch in Feuerwehrfahrzeugen, Fahrzeughallen und weiteren Bereichen von Feuerwehrgerätehäusern nachgewiesen.
Die technische Dekontamination der Feuerwehrfahrzeuge muss deshalb als eigenständiger Bestandteil des Gesundheitsschutzes betrachtet werden.
Einsatzhygiene und technische Fahrzeugdekontamination sind zwei sich ergänzende, aber nicht gegenseitig ersetzende Schutzmaßnahmen.
Das GAS Technologiezentrum begrüßt die zunehmende internationale wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Problematik und die positive Entwicklung bei Feuerwehren, die ihre Einsatzfahrzeuge bereits heute einer umfassenden Dekontamination und Neutralisation unterziehen lassen.
Wissenschaftliche Quellen
1. Scientific Reports (2026)
Surface polycyclic aromatic hydrocarbon contamination in fire stations across vehicles and personal protective equipment.
Untersuchung von 121 Oberflächenproben aus drei südkoreanischen Feuerwehrwachen.
https://www.nature.com/articles/s41598-026-61934-4
2. Science of the Total Environment (2019/2020)
Polycyclic aromatic hydrocarbon (PAH) and metal contamination of air and surfaces exposed to combustion emissions during emergency fire suppression: Implications for firefighters’ exposures.
Untersuchung von Luft- und Oberflächenbelastungen bei Feuerwehrangehörigen in Ottawa, Kanada.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31514022/
3. IARC / Weltgesundheitsorganisation (2022)
IARC Monographs evaluate the carcinogenicity of occupational exposure as a firefighter.
Wissenschaftliche Einstufung der beruflichen Exposition von Feuerwehrangehörigen als krebserzeugend für den Menschen (Gruppe 1).
4. Wissenschaftliche Übersichtsarbeit (2023)
Hierarchy of contamination control in the fire service: review of exposure control options to reduce cancer risk.
Wissenschaftliche Zusammenstellung von Expositionswegen und Maßnahmen zur Verringerung beruflicher Schadstoffbelastungen im Feuerwehrwesen.